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Buchkritiken
- Peter Straub - Der Hauch des Drachen
Um es vorweg zu nehmen: Ich fand dieses Buch ziemlich enttäuschend.
Es beginnt mit einem Unfall in einem geheimen Labor, bei dem ein giftiges
Gas freigesetzt wird, das die ahnungslosen Einwohner des Städtchens
Hampstead bedroht. Im Verlauf des Buchs stellt sich dem Leser aber dann die
Frage, ob dieser Unfall Teil des uralten Fluchs ist, der die Stadt in jeder
Generation einmal heimsucht, oder ob die Katastrophe nur eingeführt
wurde, damit sich das Buch etwas von Stephen King's "Es" abhebt.
Was nun die Antwort ist können wir nur raten, denn Straub
läßt sich dazu nicht aus. Meine Meinung ist jedenfalls,
daß die klassischen und modernen Horror-Elemente nicht gut zueinander
passen, und daß Straub gut daran getan hätte, wenn es sich auf
eines der beiden Themen konzentriert hätte.
Trotz der erstaunlich schlechten Story schafft Straub es
einigermaßen, den Leser mit Abschweifungen und Andeutungen bei der
Stange zu halten. Trotzdem hat "Der Hauch des Drachen" sicher
nicht mehr als 1.5 von 5 Sternen als Wertung verdient.
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- James Ellroy - Stiller Schrecken
Da ich inzwischen schon einige Bücher von Ellroy gelesen habe, war
ich nicht verwundert, daß, sich "Stiller Schrecken" mit einem
Massenmörder beschäftigt. Die Variation des Themas ist in diesem
Fall aber die Schilderung aus der Perspektive des Killers. Die
Beschreibung der Polizeiarbeit nimmt im Vergleich zur Bildungsgeschichte
des Mörders einen untergeordneten Rang ein. Wir treffen Marty Plunkett
zuerst als verstörten Kid in einem Vorort von Los Angeles, und werden
Zeuge seines Aufstiegs zu blutigem Ruhm und seinem
selbstzerstörerischen Ende. Die wichtigen Wegestationen werden sowohl
grausigen Ansichten in der ersten Person geschildert, als durch
Zeitungsausschnitte und Polizeireporte belegt - Stilelemente, die sich
durchweg auch in späteren Romanen von Ellroy finden.
Irgendwie erinnert mich dieses Buch von 1986 an "American Psycho" von
Bret Easton Ellis und "In Cold Blood" von Truman Capote. Doch obwohl es bei
Ellroy brutal zugeht, reichen seine Beschreibungen glücklicherweise
nicht an die Gewaltorgien im "American Psycho" heran. Andererseits sind
seine Schilderungen auf ihre Art ähnlich deprimierend wie die
Schilderung des Gemetzels in "In Cold Blood" durch die Mörder.
"Stiller Schrecken" unterscheidet sich deutlich von den typischen
"Hardboiled"-Romanen, die Ellroy sonst abliefert. Wer Ellroy wegen dieses
Stils mag, wird von diesem Buch entta¨scht werden. Mir ist es jedoch
mindestens 3 von 5 Sternen wert.
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- Sara Paretsky - Fromme Wünsche
"Fromme Wünsche" ist das dritte Buch der mittlerweile
acht Bände umfassenden Serie um die Privatdetektivin V.I. "Vic"
Warshawski. Auch dieser Roman spielt im Chicago unserer Tage, wo sich unsere
Heldin wieder einmal in einem Zwei-Fronten-Krieg gegen Verschwörer und
die Polizei wiederfindet.
Ausgerechnet Vic's verhaßte Tante Rosa heuert die Privatdetektivin
an, um sich vom Verdacht des Betrugs reinzuwaschen, als sich herausstellt,
daß das von Rosa verwaltete Aktienpaket eines Kirchenordnes aus
gefäschten Zertifikaten besteht. Als dann aber eine mit Warshawski
befreundete Börsenmaklerin den Tod findet, steht für die Detektivin
fest, daß sie das Rätsel der verschwundenen Aktien lösen
muß. Letzendlich setzt sich Warshawski wie immer durch: geschlagen, aber
nicht besiegt verläßt sie das Feld - und wir fragen uns mit ihr, ob
der Preis nicht zu hoch war.
V.I. Warshawski ist nicht einfach nur eine geschlechtsumgewandelte Kopie
klassischer Vorbilder wie Marlowe oder Spade, die einen Geschmack für
italienische Pumps entwickelt hat. Statt dessen hat Paretsky einen wirklich
überzeugenden weiblichen Detektiv geschaffen, der sowohl Mitgefühl
als auch eine Berufsehre hat. Genau wie in "Indemnity Only" und
"Tunnel Vision", den beiden anderen Büchern, die ich kenne, hat
sie es wieder einmal geschafft eine spannungsgeladene Handlung aufzubauen, die
mich bis zu letzt ans Buch gefesselt hat.
4 Sterne von 5 für eine ausgezeichnete Leistung!
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- Dave Barry - Dave Barry's Greatest Hits
Dave Barry's Greatest Hits war für mich ein Pflichtkauf, nachdem ich das
Buch bei einem unserer Buchhändler im Regal gesehn hatte. Endlich eine
gedruckte Sammlung seiner humorigen Zitate, die ich über die Jahre
immer mal wieder in den Usenet News gesehen hatte. Trotz all der Vorfreude
war das Buch dann doch ziemlich enttäuschend. Ich meine, bis zu diesem
Punkt hatte ich immer nur hochdesitllierten Barry in homöopathischen
Dosen zu mir genommen - und jetzt hatte ich auf einmal ein ganzes Buch in
den Händen, mit einem Zitat von Douglas Adams auf dem Cover, in dem
Adams versicherte, daß Barry der einzige sei, der ihn morgens um vier
zum Lachen bringen könnte. Ich habe das auch ausprobiert, und
festgestellt, daß Barry um vier Uhr morgens, wenn man ihn schon ein
paar Stunden lang gelesen hat, allenfalls noch müder macht. Sicher,
gegen ein Uhr habe ich auch noch ab und zu gekichert, aber später
sicher nicht mehr. Das Problem ist meiner Meinung nach, daß Barry ein
Journalist ist, und daß seine Artikel Stück um Stück
herausgegeben werden - also entweder täglich oder wöchentlich.
Bei einem Barry pro Tag kann man das ganze noch genießen, und ein
Barry pro Woche ist sogar brilliant. Aber eine ganze Ladung Barry auf einen
Schwung ist für meinen zarten Magen zuviel. Da einige seiner Glossen
wirklich brilliant sind, will ich das Buch mit 3 von 5 Sternen bewerten,
aber den geneignten Leser darauf hinweisen, daß man sich mit einer
sparsamen Dosierung die größte Freude macht.
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- Clive Cussler - Sahara
Clive Cussler ist für mich wie Fast Food - ich lästere bei
jeder Gelegenheit darüber, und trotzdem werde ich immer mal wieder
schwach, und greife einfach zu, ohne lange nachzudenken. Und genau wie bei
McDonald's weiß man bei Clive Cussler auch immer schon im voraus, auf
was man sich einläßt. Auch Sahara ist da keine Ausnahme, und
wartet mit den üblichen Story-Elementen auf: Die Frau in Not, das
mysteriöse Schiffswrack, und der wertvolle Oldtimer, der in Dirk
Pitt's Garage enden wird sind ebenso vorhanden wie Pitt und Konsorten, die
alle paar Seiten um Haaresbreite dem sicheren Tod entgehen. Ich könnte
beim besten Willen nicht behaupten, daß Sahara besser oder schlechter
als die bisherigen Cussler-Schinken sei - es ist halbwegs spannend und
unterhaltend, wie eben ein mittelmäßiger Action-Film im Kino.
Wer kürzlich erst ein anderes Cussler-Epos gelesen hat, dem empfehle
ich besser noch ein paar Wochen zu warten, weil die Plots eindoch zu leicht
zu durchschauen sind, wenn man die Cussler-typischen Muster noch frisch im
gedächtnis hat. 2.5 von 5 Sternen, weil ich frü,her auch immer
gerne Fünf Freunde von Enid Blyton gelesen habe.
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- Alexander Besher - Rim
Wenn man nach den Lobhudeleien auf der Buchrückseite geht,
müßte Rim ein wirklich heißer Titel sein. Laut Paul Saffo
begründet Besher hier sogar ein neues Genre, Cyber-Noir. Nun ja. Wenn
man mich fragt, kann es sich bei dem neuen Genre höchstens um
Cyber-Mystizismus handeln. Es mag schon sein, daß Besher einige
interessante Ideen hat, wie Cyberspace aussehen könnte, aber er
schafft es leider nicht, sie so darzustellen, daß sie seine Leser auch
überzeugen. Ein paar seiner Ideen und Szenen in Rim sind wirklich gut, aber
es ist in so viel mystisches Gerümpel verpackt, daß einem beim Lesen
fast die Lust vergeht. Mir ist ein überzeugender Walter Jon William
alle Tage lieber. Als Wertung gebe ich 2.5 von 5 Sternen für einen
wohlgemeinten aber mißlungenen Versuch.
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- Stephen King - Schlaflos
Stephen King's "Schlaflos" spielt zur Abwechlung mal wieder
in Derry: Offensichtlich hatte das evenfalls geren von ihm verwüstete
Castle Rock nach den letzten Katastrophen eine Ruhepause verdient.
Diesmal wird der an Schlaflosigkeit leidende Rentner Ralph Roberts in einen
für ihn (und prinzipiell auch für uns) unverständlichen ü
bernatürlichen Konflikt hineingezogen, weil er aufgrund seiner Erkrankung
plötzlich die Aura seiner Mitmenschen sehen kann.
So muß er einige Kämpfe bestehen, bis er sich zu guter Letzt
heldenhaft für eine geliebte Person opfern darf. Im direkten Vergleich
zu seinen üblichen Schinken hat der "Meister des Horrors"
diesmal weniger Splatter-Elemente eingebaut, und mehr auf Introspektion
gesetzt. "Schlaflos" könnte deshalb auch etwas zarter
besaiteten Lesern gefallen.
Alles in allem ist "Schlaflos" zwar handwerklich eine runde
Sache, aber mehr leider auch nicht.
Als Wertung wären deshalb 3.5 Sterne von 5 angemessen.
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- Richard Bachmann - The Regulators
Dieser Roman, der angeblich aus dem Nachlaß Bachmanns stammt, ist - wie jeder
andere Bachmann-Roman auch - in Wirklichkeit von Stephen King verfaßt. Die Story spielt
in einem kleinen Kaff im mittleren Westen, in der ein Straßenzug plötzlich in eine
Scheinwelt versetzt wird, in der die Bewohner in bester King-Manier dann Zug um Zug hingemetzelt
werden. Im Zentrum der Geschichte steht ein autistisches Kind, das über paranormale
Fähigkeiten verfügt, die von einem bösen Geist mißbraucht werden.
King läß hier viele Fragen wie "Woher? Warum? Wohin?" offen und
beschränkt sich statt dessen auf die "Special Effects" des Horrorromans:
"The Regulators" trieft nur so vor Blut, Schleim und Erbrochenem. Im Gegensatz
zu "Shining" wird das psychologische Element stark vernachlässigt.
Ja, ich habe das Buch bis zum bitteren Ende gelesen - weil ich nicht glauben konnte,
daß es wirklich so schlecht ist. Mehr als einen halben Stern ist es mir definitiv
nicht wert.
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© 1996-2000 Thomas Bätzler. Alle Rechte vorbehalten.
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