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5 Bemerkenswerte Betrachtungen zum Trinken und Stehenlassen

von Hans Kantereit

Prosit heißt zu deutsch: ES MÖGE NÜTZEN. Von Nutzen und Schaden einiger ausgewähler Alkoholika soll diese Schrift handeln, und dabei fällt mir unwillkürlich die Geschichte meines Großvaters väterlicherseits ein. In den letzten 2 Wochen seines Lebens waren von ihm akustisch nur noch 2 Dinge vernehmbar: ein donnerähnliches Grollen, wenn er die Vorbereitungen für seine wunderbaren Hustenanfälle traf., und seine sonore Sprechstimme, wenn er zu seiner Frau in die Küche brüllte, er brauche ein Glas Rotwein mit einem Ei drin, aber heile und nicht zerquirlt.

Die Eier sammelte er im Nachttopf, den ich abends für ihn ausleerte, während seine Frau nochmal zum Weinholen geschickt wurde. Als er starb, lautete die Todesursache "Auszehrung und chronischer Eiweißmangel". Er starb also sozusagen an einem Anwendungsfehler. Ich bitte darum um Ihre Aufmerksamkeit. Es ist in Ihrem Interesse.

1. SEKT

Hier gibt es im wesentlichen 2 Möglichkeiten der Anwendung. Man kann A: Unmengen davon in irgendwelche Damen hineinkippen, um sie durcheinander zu bringen. Von dieser Möglichkeit wird häufig und gerne Gebrauch gemacht. Dazu würde ich einen der preiswerten Halbtrockenen empfehlen, die meisten Damen ziehen ihn den herberen Marken vor.

Wir sind ihnen aber nicht böse, wenn sie uns die Gewächse von Mosel und Rhein vor der Nase wegtrinken, denn hat man etwas Lebensart, greift man eh zum Trockenen, und mit dem kann man bereits den Tag beginnen.

Mein Kollege Jan Herchenröder schlug dazu im Jahre 1953 folgendes vor: "Zwei Glas Sekt, morgens um fünf getrunken, und dann ein Ritt im Schritt durch den Wald,... dann erhält die Welt einen Glanz, wie es ih in dieser Intensität vielleicht gar nicht gibt, und dein Inneres wird transparent wie ein chinesischer Vierzeiler."

Selbstverständlich kann man auch in der ersten Kaffeepause in der Kantine 2-3 Pikkolos hinunterpfeifen, noch 2 mitnehmen, und dann im Lift so etwas ähnliches brüllen wie: "Frau Möse, wenn Sie wüßten, wie mir Ihr Kleid steht, Sie würden auf der Stelle umficken und losblasen!" Letzteres ist zwar nicht ganz im Sinn der Sache, aber Gott hat uns nur das Leben geschenkt, was wir damit anf...

2. RUM

Es ist schon viele Jahre her, da kam ein Jamaikaner auf die Idee, überflüssiges Zuckerrohr in einen Kessel zu werfen, noch ein paar andere Sachen dazu, und so lange zu rühren, bis etwas dabei herauskommt, was besoffen macht.

Man kann den Mann nicht genug loben.

Der weiße Rum ist ein angenehmer Zeitvertreib, die Leute auf Jamaika sagen, ein Mann, der genug davon trinkt, kann brüllen wie ein Stier, bekommt die Nerven einer Milchkuh und kann Liebe machen, wie ein Kolibri mit den Flügen schlägt. Das möchte ich so stehen lassen.

Warnen möchte ich jedoch vor den hierzulande gängigen Rum-Verschnitten, denn ein Mann, der genug davon trinkt, braucht sich für den folgenden Tag nichts mehr vorzunehmen. Es sei denn, er nimmt sich so merkwürdige Dinge vor, wie in der U-Bahn einer alten Frau auf den Rauhhaardackel zu kotzen.. Das dürfte gerade noch gehen.

Auf den Magen, und dort gießt man ihn letztlich ja hin, wirkt er wie ein Sack Mäuse auf die erste Klasse einer Höheren-Töcher-Schule.

3. VODKA

Es gibt 2 Sorten. Die eine wird aus Kartoffeln hergestellt, die andere aus Korn.

Die aus Kartoffeln ist lebensgefährlich. Die Russen tun die Unsitte des Gläserwerfens mit der Begründung ab, es handle sich dabei um einen alten Brauch. Das ist ein großangelegter Schwindel: Wenn Sie mal darauf achten, werden Sie feststellen, daß es immer nur ganz bestimmte Vodkagläser sind, die an die Wand fliegen. Der Kartoffelvodka führt nämlich, übermäßig genossen, zu Selbstvergessenheit und rücksichtslosem Rabaukentum.

Ich hatte einen Schwager, der, der Kartoffelvariante zugetan, Weihnachten '82, in einer einzigen dunklen Nacht, seinen Wintergarten in einen Scherbenhaufen verwandelt, seine gesamte Sammlung tropischer Falter aufgegessen und seine flatternde und erbärmlich schreiende Papageienzucht (eine Rarität in Europa) gerupft hat, in dem Glauben, die nackten Tiere würden stillhalten, damit er sie nach eigenen Vorstellungen mit Wasserfarben bemalen könne.

Nach seiner Scheidung gelang es mir, ihn zur anderen Sorte hinzuführen, zu der, die aus Korn gebrannt wird.

Er fühlt sich seither wohler.

4. GIN

Gin ist der "klügste" unter den Schnäpsen. Er beflügelt den Geist, verleiht den Augen einen listigen Glanz, und so, wie der edle Wacholder ihm die Würze gibt, würzt der Gin die Gespräche mit dem feinen spritzigen Geist der Satire.

W.M. Thackeray fing ihn im "Jahrmarkt der Eitelkeiten" bereits an zu loben, daß man glauben konnte, die Pferde würden gleich mit ihm durchgehen:

"Laßt uns alten Gin trinken, diesen mit öligen Essenzen aus Kräutern und Wurzeln verdünnten Alkohol, der so rein und klar ist wie die Vergangenheit einer Jungfrau aus Götaland. Er schmeckt so herb und männlich und enthält die Würze des Absoluten."

Generationen heroischer, aber unbesungener britischer Brenner haben sich mit der Entwicklung eines guten, trockenen Gins befaßt. Er hat nur noch 3 kleine Fehler:
Es gibt ihn nicht im Gefängnis, nicht im Krankenhaus, und er macht dick, da er einige ölige Substanzen enthält.

Den engagierten Gin-Trinker stört dies jedoch nicht im geringsten. Mein Stiefbruder trank ihn unmäßig und pflegte zu sagen:
"Irgendwie muß man ja aussehen, warum also nicht wie Fats Domino!"

5. WEINBRAND

Ich habe das Gefühl, der Weinbrand paßt nicht ganz in meine kleine Aufzählung. Da er ein deutsches Spezifikum ist, muß ich ihn jedoch trotzdem erwähnen.

Es sei dazu nur folgendes gesagt:
Nach buddhistischem Glauben werden Menschen, die im Leben Böses getan haben, als Ratte, Frosch oder sonst ein niederes Tier wiedergeboren. Wenn es danach ginge, müßten die Leute, die den deutschen Weinbrand herstellen, im zweiten Leben als Frosch durch die Welt laufen, der einen Wagen voller stockbesoffener Fußballfans zieht, die alle 10 Minuten anhalten lassen, um ihm eines ihrer Schlachtenbummlerlieder vorzusingen.

Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen doch gezwungen sein, meine Warnungen in den Wind zu schlagen und irgend etwas zu trinken, was nicht auf den Namen Cognac hört, so beachten Sie bitte wenigstens folgendes:

Keine Importe aus Spanien! Man verwendet dort billigen Alkohol zum Mischen.

Und der kann bekanntlich bis zum Schwachsinn alle möglichen Formen der Gehirnerweichung verursachen.

Eine gute Freundin von mir ist mal auf eine Etikettenschwindel hereingefallen und ging nach einem ansonsten undramatischen Umtrunk wochenlang nur noch im Dunkeln auf die Straße, weil sie fest glaubte, ihr Sofa und der Couchtisch liefen unentwegt hinter ihr her. Sie versuchte die beiden im Dunkeln abzuhängen.

Quelle:

From: caliban@online.de (Manfred Russ)
Newsgroups: de.talk.jokes
Subject: PROSIT!
Date: Mon, 25 Oct 1999 13:10:16 +0200
Message-ID: <MPG.127db4e333da79bc989c37@news.uni-freiburg.de>

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Thomas Bätzler, Thomas@Baetzler.de
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